Bilder aufhängen – Unsere Tipps für schöne Wände

Man kann es auch mit Humor sehen. Und im Süden der Republik ist der Altvorderste Humor Karl Valentin. Sein humoriger Ratschluss zum Thema der schönen Kunst bringt uns direkt zum Kern des Themas:

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Selbstredend meinte das Münchner Original wohl die Produktion eines Kunstwerks, doch ist auch die Präsentation des Selbigen mit einer nicht zu unterschätzenden Priese an körperlicher Ertüchtigung verbunden! Ganz egal ob es sich nun um die krackelig-naiven Meisterwerke unserer Kinder, die hocherotischen Kurven eines Opel GT auf Silbergelatine oder „das erste Original“ handelt, bevor es an der Wand gut aussieht, brauchen wir eine Menge Sitzfleisch.

„Wie hoch sollen unsere Bilder hängen?“, „Mit oder ohne Rahmen?“ „Braucht das Werk ein Passepartout?“ oder „Wie vertragen sich die Wandnachbarn?“, die Fragen und Baustellen puncto Kunst an den Wänden werden nicht weniger. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die brennendsten Fragen rund um die schöne Kunst an unseren Wänden und tauchen wir gemeinsam ein in die Welt von Rahmen, Hängung und dem kreativen Chaos!
 

Ort und Höhe – Ouvertüre

Die erste und wohl entscheidendste Frage bleibt „Wohin mit dem Bild?“. Den passenden Ort für ein Bild zu finden, eine wahrhaftige Sisyphos-Arbeit. Sobald ein möglicher Standort aufgetan wurde, vertrauen sie auf die 333-Regel.
 
  • Wandern Sie durch den Raum und werfen im Minutentakt einen Blick auf den Standort. Prüfen Sie die Sichtachsen im Raum und das Verhältnis des Bildes auf die Umgebung. Nach drei Minuten sollte die erste Prüfung überstanden sein.
  • Achten Sie auf das Flair des Bildes zu unterschiedlichen Tageszeiten. Der Wechsel von Tages- und Nachtlicht beeinflusst nicht nur unsere Wahrnehmung, auch ein Raum wechselt sein Ambiente und seinen Charakter. Nehmen Sie sich Zeit und werfen Sie alle drei Stunden einen Blick auf den potentiellen Ort. Nach einem Tag ist auch diese Frage geklärt.
  • Stellen Sie das Bild an den gewünschten Ort und lassen Sie es drei Wochen lang auf sich wirken. Verschwindet es binnen kurzer Zeit aus Ihrer Wahrnehmung oder dominiert es innerhalb weniger Tage den Bereich. Nach einer knappen Monatsfrist ist die letzte Prüfung des Ortes überstanden.


In Sachen die richtige Bilderhöhe haben wir die Qual der Wahl. Die erste Möglichkeit ist die „harmonische“ Lösung. Motiviert durch die Schönheit des goldenen Schnittes, wird unser Bild gedrittelt und im Verhältnis 1:3 an der Wand angebracht. Sprich: Ein Drittel des Bildes soll über Augenhöhe liegen, zwei Drittel des Werks liegen unter der Blicklinie. Die zweite Möglichkeit der Höhenermittlung ist die klassische Richtlinie der Museen. Die Bildmitte wird auf einer Höhe zwischen 1,45 bis 1,60 Meter positioniert.

 

Kanten, Achsen oder Raster – eine Sinfonie

Ein Bild alleine ist ein wunderbarer Solist, das Zusammenspiel aus mehreren Werken überzeugt hingegen mit mehr „Bums!“. Die Philharmoniker sind einfach lauter als Anna Netrebko.

Das Zusammenspiel unserer Kunstwerke hängt stark vom Verhältnis zum Nachbarn ab. Und dieses basiert auf der Form der Gesamt-Hängung. Klingt kompliziert, ist es jedoch nicht.

Die schlichte Hängung als Beispiel basiert auf den verlängerten Kanten unserer Werke. Aus vier einzelnen Werken in gleicher Größe lässt sich ein harmonisches Quartett formen. Wer sich einen Reihen-Charakter wünscht, der hänge in der Reihenfolge A-B-C-D (nebeneinander), wer mehr das Gesamtkonzept betonen möchte, der nutze die Reihenbildung A-B-A-B (zwei Werke nebeneinander, danach untereinander). Achtung vor dem Spaltmaß! Selbst kleinste Verschiebungen der Rahmen zerstören das perfekte Ensemble der Bilder.

Die einfache Kante verzaubert durch das Spiel von Ordnung und Chaos. Unsere Werke werden so gehängt, dass eine „verlängerte“ Kante die Basis bildet. Durch unterschiedliche Bildergrößen entsteht eine dynamische Vereinigung der Gegensätze. Testen Sie die „Schlagkraft“ des Ensembles durch eine „Probehängung“ am Fußboden. Achten Sie auf eine peinlich saubere Kante, um den perfekten Effekt zu erzielen.
 
Wer auf der Suche nach einem sehr direkten Effekt ist, sollte sich dem „EinWerk“ oder der „Verschmelzung“ widmen. Hierbei werden alle Werke aneinandergehangen. Die geometrische Anordnung ist hierbei sekundär. Wichtig ist die Harmonie der Werke. Die Rahmen sollten eine ähnliche Charakteristik besitzen und die Motive sollten einander befruchten und zu mehr Strahlkraft verhelfen. Thematische Übergänge und Brüche befeuern diese Hängung und schaffen Feuer und Dynamik!
 

Rahmen, Accessoires und das Spiel – das große Orchester

Die Wahl des perfekten Rahmens für ein Bild ist eine Wissenschaft für sich! Gut und gerne lassen sich über dieses Thema weitere 1.000 Wörter aufs virtuelle Papier bringen.
Um den Rahmen nicht zu sprengen (Wortspiel-Bonus), sei soviel gesagt: „Jedes Werk braucht den passenden Rahmen.“
Das Grundrezept für den Rahmen ist einfach.
Wer es mit der Fotografie hält, dem seinen schmale Leistenrahmen aus Aluminium oder Holz empfohlen. Diese tragen wenig auf und geben den Werken halt.
Für Kunstdrucke und pastellige Originale passen dunkle Holzrahmen mit Struktur. Frei von der Leber: „Je kräftiger ein Werk, umso kräftiger dürfen auch der Rahmen sein.
In Sachen Material zählt das alte Motto: „Qualität kostet.“ Ein Echtholz-Rahmen mag zwar mehr zu Buche schlagen, dieser hält jedoch länger die Form und verzaubert durch mehr Kraft und Struktur.
 
Der zweite „beste Freund“ eines Kunstwerks ist das Passepartout. Dieser Rahmen im Rahmen aus säurefreiem Papier (vor allem bei Fotografien ist säurefreies Papier überlebenswichtig für das Bild) fokussieren den Blick des Betrachters und lassen das Wesentliche des Werks hervortreten. Das Spiel mit unterschiedlichen Passepartouts macht schnell deutlich, wie wichtig dieser Rahmen für die Werke sind!

 

Kunst, Chaos und die Moderne – Samples und Death Metal

Der Verzicht auf Ordnung ist der Triumpf des Kreativen! Wer auf Achsen, Kanten und Harmonie pfeift, dem sei die Petersburger Hängung wärmstens empfohlen. Hier regiert Chaos und Anarchie!
Die einzelnen Werke dominieren sich gegenseitig und kämpfen in immerwährender Konkurrenz um die Aufmerksamkeit des Betrachters.
Bei dieser Art der Hängung kann man sich austoben und muss sich keine Gedanken machen über Kanten, Längen und erst recht nicht über gleichmäßige Abstände!

Namensspendend war nebenbei die stinkreiche „feine Gesellschaft“ aus Stankt Petersburg. In Prunksalons der „oberen 10.000“ war Meisterwerk an Meisterwerk gerückt, einzig mit dem Zweck, etwaigen Besuchern den häuslichen Reichtum vor Augen zu führen.

Seit der Post-Moderne sind die linearen Hängungen im privaten Bereich auf dem Rückzug. Chaos und Kreativität passen in heimischen vier Wänden einfach besser.