Wohnen Sie, wie Sie wollen!

Ganz ohne Leitsätze geht es auch beim Wohnen und Einrichten nicht. Doch es gibt ungeschriebene Gesetze, die man heute getrost umgehen kann, weil sie nicht mehr in unsere Zeit passen oder schon immer unsinnig waren. Schauen Sie doch mal – und entscheiden Sie selbst, ob Sie ein Outlaw werden wollen.


Kleiner Raum, kleine Möbel

Wer in einer Puppenstube wohnen möchte, kann diese Regel gern weiter beherzigen. Alle jedoch, die mit ihrem Zuhause noch Großes vorhaben, aber beispielsweise nur ein kleines Wohnzimmer haben, sollten ein Statement setzen – mit einem ausladenden, gemütlichen Sofa etwa, das den Raum dominiert und keine weiteren Sesselchen, ja vielleicht noch nicht einmal einen Couchtisch neben sich braucht.
Beschränken Sie sich darüber hinaus auf ein paar wenige Möbelstücke und Wohnaccessoires, die Ihnen besonders gefallen, und überlassen Sie ihnen die Bühne. Das wirkt klar und großzügig – und nicht merkwürdig überfüllt, wie es bei einem Raum voller Miniaturmöbel der Fall wäre.


Muster brauchen Unis?

Nö. Andere Muster aus derselben Farbwelt sind aufregender!

Weiße Küchen kann man besser weiterverkaufen

Zugegeben: Mit weißen Küchenfronten kann man nichts falsch machen und wird damit beim Verkauf seiner Immobilie wohl am wenigsten anecken. Sie sind aber auch nichts, was einem Zuhause eine persönliche Note verleiht und im Gedächtnis bleibt. Unterm Strich reicht ja ein einziger Käufer, der sich auf den ersten Blick verliebt. Also: nur Mut!

Die Zimmerdecke muss weiß sein

Eine weiß gestrichene Decke lässt einen Raum höher wirken – ein durchaus wünschenswerter Effekt. Doch gemütlich geht anders! Die dunkle Decke lenkt den Blick auf besondere Details im Raum und erzeugt ein angenehmes Höhlen-Feeling.


Kunst muss auf Augenhöhe hängen

Aha, und auf wessen Augenhöhe genau? Und in welcher Situation? Im Stehen? Im Sitzen? Im Liegen? Was früher für repräsentative Salons und Museen galt, wirkt in heutigen Wohnungen unnötig steif und förmlich. Viel lässiger und überraschender sind dagegen Bilder, die auch mal aus der Reihe tanzen und ungewöhnlich hoch oder niedrig hängen oder einfach auf dem Boden oder einem Sideboard stehen und an der Wand lehnen.

Holz hat im Badezimmer nichts zu suchen

Nun ja, die Kombination Holz plus Wasser ist etwas heikel, aber das Naturmaterial deshalb pauschal aus dem Bad zu verbannen, wäre schade. Solange man von beschichteten Hölzern mit Umleimer an den Kanten die Finger lässt und stattdessen Vollholz wählt, dieses gut pflegt (regelmäßiges Ölen hilft!) und stehende Nässe vermeidet, kann nichts passieren. Ach ja: regelmäßiges Lüften nicht vergessen!

Große Möbel sollten am besten neutrale Farben tragen

Da ist es mal wieder, das Sofa in vorsichtigem Beige oder Hellgrau… Wenn dieser Ton wirklich Ihre Lieblingsfarbe ist, müssen Sie hier nicht weiterlesen. Allen anderen sei gesagt: Dass man sich an auffälligen Farben schneller sattsieht als an neutralen, ist schlichtweg nicht wahr.
Im Gegenteil: Man langweilt sich bloß nicht so schnell.
Außerdem ist die Wahl der Sofafarbe keine Entscheidung für den Rest Ihres Lebens!


Jeder Raum braucht eine Deckenleuchte

Und die flutet dann, wie ein Suchscheinwerfer das ganze Zimmer bis in den letzten Winkel mit Licht? Grauenvolle Vorstellung. Für das Erzeugen von verschiedenen (Licht-) Stimmungen und das Beleuchten unterschiedlicher Tätigkeiten wie Lesen, Entspannen, Kochen, Essen oder Bügeln sind diverse, im Raum verteilte (und dimmbare!) Lichtquellen viel wichtiger und vor allem sinnvoller. Harmonisch platziert, bilden sie einzelne Lichtinseln, die zusammen ein ausbalanciertes und angenehmes Gesamtbild erzeugen.

Verschiedene Metalle mixt man nicht

Vor ein paar Jahren feierte Kupfer sein großes Comeback, mittlerweile haben wir uns auch wieder mit Gold, Bronze und Messing angefreundet, und die Ersten liebäugeln schon mit Chrom und pulverbeschichtetem schwarzen Stahl wie in den 80ern. Das Gute daran: Sie müssen sich nicht mehr für eines entscheiden, sondern dürfen ganz beherzt mixen und coolen Edelstahl mit warm schimmerndem gebürstetem Messing kombinieren oder Ihre neuen schwarzen Bad-Armaturen durch verchromte Leuchten oder kupfrige Accessoires ergänzen. Alles, was gefällt und stylisch wirkt, ist erlaubt – solange nicht eine Sorte die Überhand gewinnt. Sonst kippt das Ganze, und die anderen Metalle werden zum plötzlich irritierenden Störfaktor.

Die Hölzer von Möbeln, Deko und Boden müssen immer zusammenpassen

Warum eigentlich? Im Wald wächst doch auch alles wild durcheinander und sieht trotzdem gut aus! Und gerade diese Abwechslung ist es, die ein Interieur warm und natürlich wirken lässt. Der Trick beim Einrichten mit Holz ist, dass man nicht mehr als drei, maximal vier verschiedene Holzarten kombinieren sollte. Vorsicht ist außerdem bei solchen Hölzern geboten, die fast, aber nicht ganz die gleiche Farbe haben: das sieht immer ein bisschen merkwürdig aus. Besser ist es, dunklere und hellere Varianten zu mixen – das ergibt schöne Kontraste und funktioniert gut, solange die Hölzer denselben warmen oder kalten Unterton haben.
So, jetzt legen Sie los und halten sich an die „Nicht-Regeln“!