Internationales Design – in 4 Beispielen um die Welt

International und Design – der Zusammenhang

Die Welt hat sich verändert. Die Welt ist kleiner geworden, näher und grenzenloser.
In wenigen Stunden lässt sich jeder Fleck auf unserem Erdenball erreichen. Das Web und soziale Medien verteilen Informationen, Gefühle, Geschichten innerhalb eines Wimpernschlags um den gesamten Globus.

Die Welt ist eine andere als noch vor 30 Jahren. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Bereichen Ästhetik, Interior und Design wieder. Alte Schulen verschwimmen, neue Trends werden getauft im Fahrwasser einer klassischen Idee und Momente, die vor kurzem noch als „unerhört“ gegolten hätten, sind heute Sternstunden der Innenarchitektur oder Quantensprünge in der Möbelfertigung.

Selbstverständlich ist die „Veränderung die einzige Konstante der Existenz“, doch der progressive Trend im Bereich Design und Interior widmet sich der Zukunft. Die Vergangenheit, die Wurzeln und die Herkunft bleibt ein Schatz der Vergangenheit, der gehegt und gepflegt werden sollte!

Ohne Vergangenheit und „alte Schule“ keine Zitate des Gestern und auch keine Hommage an die Großen, von denen wir lernen durften. Ohne Vergangenheit ist die Reise in die Zukunft, der Trip nach „Morgen“ halb so beseelt und halb so intensiv.

Begeben wir uns auf eine Reise um den Globus und erkennen, welcher Stil und welches Verständnis von Schönheit auf welchem Flecken des Planeten verortet werden kann.
Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die Schönheit des Internationalen Designs. Gute Reise!

Der hohe Norden – Scandi-Design

Der hohe Norden – Skandinavien – besitzt in Sachen Design und Schönheitsbewusstsein einen beinahe legendären Ruf. Die Formgebung, Farbwahl und Materialkombination des nordischen Designs sind weltweit eine Visitenkarte für Stilsicherheit und „in sich ruhendes Wohnen“.

Im Lebens- und Wohnverständnis des hohen Nordens steckt wie nicht anders zu erwarten eine gehörige Prise „Philosophie“ und in der Tradition doch auch im Leben verwurzeltes „Sein“.

Ist man im Besitz einer gehörigen Prise Mut und der nötigen Unverfrorenheit und versucht den nordischen Design-Ansatz zu pauschalisieren und zu verstehen, so bleiben wohl drei allumfassende Design-Fragmente und eineinhalb bis zwei Beweggründe für diese Schönheitsideale zurück.

Nordisches Design (oder zu neudeutsch: Scandi-Design) bedeutet:
 
  • Sanfte Farben
  • Klare Formen
  • Natürliche Werkstoffe


Die getragenen Farben und die klaren Formen verkörpern eine Hommage ein Eintauchen in die skandinavische Umwelt. Sanft, klar und Stil ist es im hohen Norden. Das Individuum lebt als Teil seiner Umwelt und begreift sich als Fragment von etwas Größerem.
In diesem Selbstverständnis ist Ruhe und Gelassenheit keine Modeetikette sondern wahrhaftige Lebenswahrheit.
Getragene Farben und klare Linien sind eine Liebeserklärung an die Landschaft Skandinaviens – manchmal karg, manchmal wild und in jedem Atemzug natürlich!

Die Vorliebe für natürliche, echte Werkstoffe ist ebenfalls beheimatet in der Heimatverbundenheit der Skandinavier. Wohnen und leben im Einklang mit der Umwelt bedeutet auch, die Dinge zu nutzen, die vor der „eigenen Haustüre“ verfügbar sind.

Keine weitgereisten Tropenhölzer, keine umweltschädlichen Kunststoffe oder gesundheitsgefährdenden Lacke, nordisches Design besinnt sich hierbei auf das Wesentliche, auf das Natürliche und auf das Vorhandene!

Mit dieser Vision von nachhaltigem Wohnen und klarem Design verzaubert der hohe Norden seit mehreren Dekaden einen jeden Möbelbewussten.
 

Aus einer anderen Welt – der japanische Design-Ansatz

Die Wahrnehmung des japanischen Designs ist in Europa ambivalent. In Ballungszentren unserer Republik gibt es sie, die J-Shops, welche die quietschbunte und ewigsurrende Realisierung des japanischen Designs, in die Welt hinausschreien. In einer Mischung aus Anime, Manga, Wink-Katzen und J-Pop wird hier die laute und hektische Seite des japanischen Designs und der japanischen Pop-Kultur gelebt und gefeiert.

Abseits dieser bunten, lauten und effektschwangeren Pop-Kultur aus Japan liegt eine Design-Wahrnehmung und Schönheitsphilosophie, die dem Deutschen Bauhaus oder dem skandinavischen Schönheitsideal nicht unähnlich ist.

Die „alte“ japanische Schönheitsphilosophie setzt den minimalen Augenblick und die
Reduktion auf das Wesentliche in den Mittelpunkt. In der europäischen Rezeption
der japanischen Ästhetik ist derzeit das kaum zu übersetzende und eng mit dem Zen-Buddhismus verbundene Wabi-Sabi -   DER zentrale Trendbegriff.

Stille Schönheit und die Perfektion des Unperfekten sind die tragenden Säulen des derzeit unübersehbaren Einrichtungstrends. Diese Modeentwicklung gewährt einen tiefen Einblick in die Schönheitswahrnehmung und Ästhetik der japanischen Inseln.

Die Wurzeln des klassischen japanischen Stils liegen sowohl in der tiefsten japanischen Geschichte als auch in den Gedankengängen des Zen-Buddhismus.
Was uns Mitteleuropäern oftmals als Buch mit sieben Siegel erscheint, durchflutet die japanische Kultur, die japanische Kunst und selbstverständlich auch das japanische Design in jeder Ausprägung seiner Existenz.

Ab dem 8. Jhd. entwickelte sich eine Ästhetik, die sowohl Funktionalität als auch Einfachheit als oberste Priorität erfassten.
Klassisch japanisches Design ist zutiefst vom Gedanken der funktionsbestimmten Einfachheit geprägt. Die schlichte Schönheit einfacher Materialien – primär Holz – in Kombination mit absoluter Funktionsästhetik sind in heutiger Zeit sinnspendend für das echte japanische Design abseits von Anime und Tokio-Style.
 

Dreamed in Germany – Bauhaus eine Erfolgsgeschichte

In wenigen Monaten ist es an der Zeit mit Motivation Konfetti ins Volk zu werfen. Bauhaus100 steht über dem Jahre 2019.
DIE deutsche Kunstschule feiert sein 100-jähriges Bestehen und die Liste an Bewunderern, Verehrern und schamlosen Kopisten aus aller Herren Länder ist lang, namhaft und international.

Die Weimarer Kunstschule – 1919 durch Walter Gropius gegründet – ist für die Kunst- und Designwelt revolutionär. Die Verknüpfung von Handwerk, Kunst, Ästhetik, Form und Fertigung ist nicht weniger als die Verschmelzung eines Meilensteins und eines Quantensprungs für das Kunstverständnis der heutigen Gegenwart.

Der Minimalismus unserer Zeit, die einfachen und klaren Formen der gegenwärtigen Europäischen Designs, der smarte und klare Chic der Generation instagram und wahrscheinlich auch der einfache Look des „flat-design“ des digitalen Wandelns, ohne die Vision des Bauhauses sind viele Aspekte der modernen Ästhetik undenkbar.

Bauhaus verzaubert in der Retrospektive betrachtet mit einem nahezu unbegreiflichen Fortschrittsdenken. Die Kombination des klassischen Handwerks mit futuristischen Fertigungsmethoden ermöglichte beinahe aberwitzige Formgebungen und zu diesem Zeitpunkt für unmöglich gehaltene Formen.

Stahlrohr, Estrich, freitragende Konstruktionen, schwebende Fensterkonstruktionen – die Liste an Neuheiten des Bauhauses ist lang; sehr lang.
Ohne den Geist des Jahres 1919. Ohne die Vision von Gropius und seinen Weggefährten wäre unser Verständnis der guten Form und des vollendeten Designs ein anderes. Design „Made in Germany“ würde sich ohne Bauhaus anders anfühlen und wesentlich anders aussehen.  
 

Klassisch Italienisch – Design from Italy

Die Liste an Namen ist lang – lang und ziemlich bekannt: Mollino, de Lucchi, Citterio. Hier stehen sie in Reih und Glied, klangvolle Namen und kräftige Kunstwerke.

Das Design „vom Stiefel“ ist gleichzeitig gnadenlos UND konservativ klassisch. Im italienischen Design treffen mutige Formideen auf handwerkliche Fertigung. Eleganz, zeitlose Formen und eine erquickende Aktualität sind sinnbildlich für die Formen des klassischen italienischen Designs.

Federico Fellinis Leitspruch des „Verzauberns und Verstörens“ findet sich in der italienischen Formgebung in unterschiedlichen Ausprägungen. Hier treffen übertriebene Extravaganz auf einen Hauch moderner Ironie, es vereinen sich zukunftsorientiertes „Spötteln“ mit dem gebotenen Respekt vor den „alten Meistern“.

Maskulin und traditionell wirken die Formen und auch die Materialien des italienischen Designs, manches tänzelt an der Schwelle zum Überbordendem. Doch bleibt der Gesamteindruck ein lebendiger, ausgewogener Stil, der alles außer in Vergessenheit gerät.

Italienische Formen und italienische Möbel haben Charakter, Gesicht und eine eigene Stimme, die über die Grenzen Europas hinaus Gehör finden!


4 nationale Konzepte – 1 internationales Design

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile! Internationales Design im Jahre 2018 übernimmt nicht schnöde einzelne Elemente aus klassischen Vorbildern! Internationales Design verbindet Tradition mit Zeitgeist, und gelebte Ideen mit lebendiger Schaffenslust. Hier treffen die Ideen aus nationalen Konzepten aufeinander und es formt sich eine Designsprache, die begeistert, berührt, überzeugt und nicht mehr loslässt. Es entsteht das wahrhaft lebendige, internationale Design. Es entstehen Möbel, die Freunde sind.

Raum.Freunde
Immer für Dich da, wenn Du sie brauchst.